Stadtraumforschung im Domumfeld

Leitung: Prof. Dr. Jan Üblacker (EBZ Business School, Bochum), Dr. Holger Spieckermann (TH Köln)

Laufzeit: 2020-2021

Das Dom- und Rathausumfeld in der Kölner Innenstadt ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl an Nutzungen auf vergleichsweise engem Raum. In zentraler Lage der Stadt befinden sich u.a. der Hauptbahnhof, touristische Attraktionen wie der Dom, die Altstadt und die Rheinuferpromenade, die Haupteinkaufsstraße, karitative Einrichtungen wie z.B. Obdachlosenschlafstellen oder die Bahnhofsmission, zahlreiche Gastronomien und Hotels, mehrere Museen, die Philharmonie, das Rathaus und unzählige weitere kleinere und größere Unternehmen. Diese vielfältige Nutzungsmischung zieht Personen mit unterschiedlichen Erwartungen, Ansprüchen, Motiven und (Vor)Erfahrungen an. Neben den Bewohner*innen zählen dazu z.B. Arbeiter*innen und Angestellte, Tourist*innen, Passant*innen oder Obdachlose. Aufgrund der besonderen Verdichtung verschiedener Interessen und Erwartungen ist das Gebiet ein Schauplatz diverser, z.T. auch konfliktbehafteter Aushandlungsprozesse zwischen den Nutzer*innen.

Im März 2018 hat die Stadt Köln die „Stabsstelle Stadtbau im Quartier | Domumfeld“ eingerichtet, um die Vielzahl von Funktionsüberlagerungen und Nutzungsstrukturen im Dom- und Rathausumfeld zu bearbeiten und umfassende Kooperationsstrukturen zwischen Verwaltung und vielfältigen externen Institutionen zu initiieren. Dabei sollen auch die Sichtweisen und Problemwahrnehmung der vielfältigen Nutzer*innen des Gebiets berücksichtigt werden.

Vor diesem Hintergrund besteht das Ziel dieses Forschungsprojekts darin, die Wahrnehmung und Bewertung des Gebiets durch die verschiedenen Nutzer*innengruppen zu erforschen. Im Einzelnen werden folgende Fragestellungen bearbeitet:

  • Welche Qualitäten hat der Raum für die Nutzer*innen?
  • Welche Problemwahrnehmungen der Nutzer*innen werden deutlich?
  • Wie gehen die Nutzer*innen mit den wahrgenommenen Problemen um?
  • Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen im Hinblick auf die Problemwahrnehmung und Umgang zwischen den Gruppen?
  • Welche Bedeutung haben die von der Stadtverwaltung ergriffenen Maßnahmen zum Umgang mit den Problemen?
  • Welche Aushandlungsprozesse und Nutzungskonflikte gibt es?

Neben der statistischen Auswertung von vorhandenen amtlichen Daten zur sozialräumlichen Entwicklung des Gebietes werden die unterschiedlichen Perspektiven auf den Raum durch leitfadengestützte Interviews mit Bewohner*innen, Tourist*innen, Passanten, Beschäftigten, Obdachlosen und Straßenkünstler*innen erfasst und inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Ergebnisse geben interessierten Akteuren aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Einblick in die aktuelle Situation und Handlungsmöglichkeiten.

Das Projekt basiert auf einer Forschungskooperation zwischen der Stadt Köln, dem ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung und der Technischen Hochschule Köln.

Gentrifizierung und Kriminalität

Tim Lukas und Jan Üblacker

Gentrifizierung ist eines der zentralen Konfliktfelder gegenwärtiger Stadtentwicklung. Der Begriff beschreibt den Austausch von statusniedrigeren Bewohnerinnen und Bewohnern eines Stadtviertels durch statushöhere Bevölkerungsgruppen. Während die kriminogenen Wirkungen sozialräumlicher Segregation empirisch gut dokumentiert sind, wurde der Zusammenhang zwischen Gentrifizierung und Kriminalitätsentwicklung im deutschsprachigen Raum bislang nicht untersucht. Kriminalgeografische Ansätze und Theorien legen sinkende ebenso wie steigende Kriminalitätsraten in Aufwertungsgebieten nahe. In US-amerikanischen Studien finden sich divergierende Befunde, die ebenfalls in beide Richtungen deuten. Die Ergebnisse sind jedoch nur eingeschränkt auf die Situation in Deutschland und Österreich übertragbar. Ausgehend von einem Überblick über den aktuellen Forschungstand wollen wir im vorliegenden Artikel einen Beitrag zur Konzeptualisierung von Gentrifizierungsprozessen im Kontext der Kriminalgeografie leisten.

Lukas, Tim, und Jan Üblacker. 2020. Gentrifizierung und Kriminalität. Theoretische Erklärungen und forschungspraktische Probleme. SIAK-Journal – Zeitschrift für Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis 62–74.

Link zum Volltext: https://www.bmi.gv.at/104/Wissenschaft_und_Forschung/SIAK-Journal/SIAK-Journal-Ausgaben/Jahrgang_2020/Ausgabe_3.aspx#a6

Sammelband „Rechtes Denken, rechte Räume?“ erschienen

Seit Dezember 2020 ist das gemeinsam mit Lynn Berg herausgegebene Sammelband „Rechtes Denken, rechte Räume? Demokratiefeindliche Entwicklungen und ihre räumlichen Kontexte“ im Transcript Verlag erschienen (open access).

Rechte Orientierungen und Diskurse haben eine räumliche Dynamik. Das Problem lediglich in strukturschwachen Regionen, im ländlichen Raum oder in benachteiligten Wohngebieten zu verorten, ist jedoch verkürzt, reproduziert Stereotype und liefert kaum Erklärungen. Denn soziale und räumliche Kontexte bedingen nicht nur Verhalten und Einstellungen, sondern werden gleichermaßen durch individuelle und kollektive Handlungen hervorgebracht und verändert. Die Beitragenden verschiedener Fachdisziplinen untersuchen diese komplexen Zusammenhänge, diskutieren sie mit Expert*innen aus der Praxis und eröffnen dabei neue Handlungsräume.

Link zum Buch: https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5108-9/rechtes-denken-rechte-raeume/?c=310000103